Projekt INTERREG - „Erhalt traditioneller Obstsorten am Oberrhein“ ist das Interreg-Projekt überschrieben, an dem sich der Kreisverband Obstbau, Garten und Landschaft Emmendingen e.V. (KOGL Emmendingen) in Zusammenarbeit mit der Beratungsstelle für Obst- und Gartenbau im Landratsamt beteiligt. Die Landschaft am Oberrhein entlang des Rheingrabens und in der Vorbergzone ist durch die zahlreichen Streuobstwiesen geprägt. Diese sind neben ihrer optischen und ökologischen Bedeutung auch Bestandteil einer wirtschaftlichen Wertschöpfung, sowohl im Erwerbsobstbau als auch in den Familiengärten. Durch Überalterung der Bäume und mangelnde Pflege sind jedoch viele Bestände bedroht. Altes, über Generationen weitergegebenes Wissen und Erfahrungen drohen ebenso verloren zu gehen wie die über Jahrhunderte selektierten lokalen Besonderheiten und die genetische Vielfalt der Bestände. Um diesem Verfall entgegenzuwirken, ist es wichtig, das Interesse am Obstbau zu reaktivieren.
Moderne Anbaumethoden, innovative Verwertungstechniken und attraktive selbst hergestellte Produkte sind auch für junge Familien interessant, zumal (nicht nur nach einer aktuellen e-bay-Erhebung) ein Trend zur zunehmenden Selbstversorgung erkennbar ist. Das dafür nötige Fachwissen kann der KOGL vermitteln. Im Rahmen dieser Projektarbeit werden zum Beispiel vorhandene Bestände restauriert und neue Musteranlagen nach den heutigen „pflegeleichten“ Methoden angelegt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Im Einzelnen sind vier verschiedene Teilprojekte geplant:
1. Streuobst im Elztal
Ein Projekt im Elztal/Simonswäldertal soll der drohenden Verödung der einstmals landschaftsprägenden Streuobstbestände in diesem reizvollen Zweitälerland im Schwarzwald entgegenwirken. Nicht nur die touristische Attraktivität, auch die einst wertvollen Obstanlagen sollen wieder deutlich verbessert werden. Dazu soll eine „Arbeitsgruppe Streuobst Elztal“ zur nachhaltigen Rettung und laufenden Pflege der Bestände gegründet werden.
2. Streuobst-Modellprojekt Hochburg
Das zweite Projekt greift eine Initiative von 1987 auf dem Gelände der Staatsdomäne Emmendingen-Hochburg auf. Dort wurde damals ein Streuobst-Modellprojekt geplant und verwirklicht. Auf einem ca. 4,5 ha großen Gelände wurden neben vielen anderen Obstarten 144 Bäume mit Most- bzw. Wirtschaftsäpfeln in vielen Sorten gepflanzt, was 44% des Baumbestandes entspricht. Im Laufe der Jahre fehlte die fachgerechte Pflege dieser Anlage mehr und mehr. Ziel des Teilprojektes ist der Erhalt dieser einzigartigen Musteranlage durch Gründung einer Arbeitsgruppe, die nicht nur für die Rettung und Pflege verantwortlich sein wird, sondern auch der Öffentlichkeit Beispiel und Anleitung geben soll.
3. Lehrgarten in Kenzingen
Das dritte Projekt findet im Lehrgarten des KOGL in Kenzingen statt. Dieser 1947 von der Kreisverwaltung ursprünglich zur Lebensmittelversorgung der Bevölkerung eingerichtete Garten wurde 2005 vom Kreisverband Obstbau, Garten und Landschaft Emmendingen übernommen. Ziel ist der Ausbau in einen Lehrgarten für Hobbygärtner, Hobby-Obstbauer, Schulen und Kindergärten. Hier soll neben dem Schwerpunkt „Erhalt lokaler Obstsorten“ auch eine Musteranlage für die verschiedenen modernen Anbau- und Erziehungsformen entstehen.
4. Ausbildung von Fachwarten für Obst und Garten
Das vierte Projekt ist speziell für die Schulung und Ausbildung zur Pflege von Obstbäumen angelegt. Über einen Zeitraum von 13 Monaten werden an je 20 Kursabenden und Samstags-Praxiskursen alle Arbeiten rund ums Jahr in Theorie und Praxis gelehrt und geübt. Diese Ausbildung erfolgt nach einer landesweit einheitlichen Richtlinie des Landesverbandes Obstbau, Garten und Landschaft (LOGL) des Landes Baden-Württemberg und schließt mit einer Prüfung zum „Fachwart für Obst und Garten“ ab.
Alle 4 Projekte sind über den gesamten Zeitraum und darüber hinaus öffentlich, die Beteiligung der Bevölkerung ist ausdrücklich erwünscht. Die jeweiligen Aktivitäten werden über die lokalen Medien publiziert.
Wer macht alles beim INTERREG-Projekt mit?