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29. Ausgabe
September 2010

… Gedanken…

In Deutschland leben etwa 48000 Tierarten, und erstaunlicherweise steigt diese Zahl und nimmt nicht etwa ab, wie man vermuten könnte. Viele Einwanderungen werden mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht, ich denke hier gerade an die spektakulären Ereignisse mit der Kastanienminiermotte, dem Asiatischen Marienkäfer oder der Walnußfruchtfliege. Wenn ich daran denke, das in den 1970er Jahren viele Ornithologen ins Taubergießengebiet gezogen sind um den Kormoran zu beobachten, das 1994 die ersten Saatkrähen in Kenzingen zur Brut schritten oder sich die Beobachtungen von Silberreihern häuften, so ist festzustellen, das diese Vögel innerhalb weniger Jahre völlig heimisch geworden sind und wie selbstverständlich zu unserer Fauna gehören. Liegt das Verarmen und Verschwinden von Arten in der Dynamik der Natur begründet oder sind da allzu viele menschliche Aktivitäten im Spiel? Und wenn ja, welche?
Josef H. Reichholf, Chef der Zoologischen Staatssammlung München und dort lehrender Professor für Biologie und Naturschutz –also einer der etwas von der Materie versteht- vertritt die Ansicht, das die Hauptfeinde der Artenvielfalt weder in Großindustrie noch im Straßenverkehr zu suchen sind, sondern in Landwirtschaft, Jagd und verfehlten Naturschutzmassnahmen.

Es ist unstrittig, dass die Zukunft der Arten  hochgradig bedroht ist. Die Roten Listen werden nicht kürzer, sondern immer länger. Gegenwärtig sind erheblich mehr Tier- und Pflanzenarten gefährdet als zu Beginn der Erhebungen vor 40 Jahren. Was haben dann Natur- und Umweltschutz in diesen Jahrzehnten gebracht? Was ist die Erklärung 1992 auf dem Umweltgipfel in Rio wert gewesen, wenn sich nicht einmal ein so reicher Staat wie Deutschland gegen den Schwund der Artenvielfalt  stemmen kann?


 






















Bild: R. Weis

Viele der früher häufig vorkommenden Arten, die von einer intensiv bewirtschafteten Kulturlandschaft profitierten, sind heute so selten geworden oder ganz verschwunden, weil sich unsere Kulturlandschaft stark verändert hat. Ein Beispiel: Waldflächen  wurden im Mittelalter oft bis zur Devastierung übernutzt, aber genau dieser Zustand schuf für viele Arten der offenen Landschaften Lebensraum und Heimat.
Mit der großflächigen, generalstabsmäßigen Anlage von Nadelwäldern durch den Badischen Staat gingen alle diese Lebensräume wieder verloren.
Genau so gut wie ein ansteigen der Durchschnittstemperatur kann sich die Globalisierung auf das Auftreten von Arten aus anderen Kontinenten auswirken. Viele Warentransporte können und werden viele blinde Passagiere mitbringen.
Ist es grundsätzlich gut oder schlecht, wenn fremde Arten auftauchen? Kann oder will man das Rad zurückdrehen? Wo soll man ansetzen, will man die Natur schützen??

Literatur zum Thema:
Josef H. Reichholf
Die Zukunft der Arten - Neue ökologische Überraschungen
Verlag C.H.Beck, München 2005, ISBN 3 406 527 868

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