Obstbau gibt es bei uns seit 6000 Jahren, Funde von Holzäpfeln in den Pfahlbauten am Bodensee belegen dies. Weit vor Christi Geburt sorgten die Griechen und Perser, später dann die Römer für die Verbreitung und Kultivierung verschiedener Obstgehölze. In unserem Raum waren die römischen Statthalter verantwortlich für die Einführung eines geregelten Obstbaus, sie brachten die ersten Sorten und das Wissen ihrer Pflege nach Germanien. Um 800 wurden unter Kaiser Karl dem Großen Obstbäume als Kulturgewächse in die landwirtschaftliche Nutzung aufgenommen. Je nach Engagement der jeweiligen Landesfürsten wurde der Obstbau in der Folgezeit zu einem dominierenden landwirtschaftlichen Element und Missbrauch oft mit drastischen Strafen belegt. Es gab aber auch Gesetze, die vorschrieben, dass neuvermählte Paare einen Obstbaum zu pflanzen und somit für die Verbreitung zu sorgen hatten. Mit dem Dreißigjährigen Krieg brachen alle Strukturen –so auch der Obstbau- zusammen. Mühsam begann nach dessen Ende 1648 ein Wiederaufbau durch die stark dezimierte Bevölkerung. Langsam befasst sich nun auch die Wissenschaft mit der Materie und brachte wertvolle Hinweise zur Weiterentwicklung der Zucht. Maßgebend sind hier - um 1800 - Johann Caspar Schiller und Eduard Lucas. Einem Extremwinter 1879/80 fiel fast der gesamte Obstbaumbestand in Baden und Württemberg zum Opfer, die Menschen litten Hunger. Aus dieser Notsituation heraus beschloss der Kreistag Freiburg / Emmendingen die Gründung von kreiseigenen Baumschulen, um den Mangel an Pflanzmaterial zu beheben und – als psychologische Maßnahme – der Bevölkerung Hoffnung zu verschaffen. Erfahrene Baumwarte leiteten die Baumschulen und gaben ihr Wissen weiter. Dies wurde ein voller Erfolg und bald im ganzen Land nachgeahmt. Mit der Ausweitung der Obstbaumzucht wurden immer mehr Baumwarte ausgebildet, eine breite Basis für Wissensvermittlung und Ausbildung war entstanden. Die Nachfolger der damaligen Baumwarte sind heute die Fachwarte für Obst und Garten. Derzeit schicken sich fünfzig Personen im Landkreis Emmendingen an, dieses historische Erbe weiterzuführen.

Anfangs des Winters hatte ich die reizvolle Aufgabe, die Streuobstbestände um diese Hofstelle in Oberglottertal zu schneiden. In der Satellitenaufnahme von Google Earth ist der Pflegezustand leider nicht ersichtlich, da aber seit mindestens 15 Jahren kein Schnitt mehr erfolgte, hatte ich damit richtig Arbeit.
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